Warum sollte man eigentlich Unterricht nehmen ?

Diese Frage möchte ich ganz subjektiv, mit meiner eigenen Geschichte, beantworten.
Ich habe schon zwei Jahre Bass gespielt, bevor ich zum ersten Mal Bassunterricht hatte. Mit meiner Band habe ich schon einige Konzerte gegeben, Lob erhalten und ich fand, ich war auf dem richtigen Weg zum umjubelten Rockbassisten.

Dann habe ich in der Zeitung von einem Workshop gelesen, der nur einige Wochen dauern sollte und recht günstig war.
Die ersten Stunden waren gnadenlos: Ich musste erkennen, dass ich rhythmisch völlig im “off” liege, meine Plektrumtechnik keinerlei Tonkultur zulies (geschweige denn, eine Kontrolle über das Schwingungsverhalten meines Basses), meine Greifhand mir nicht so richtig gehorchen wollte und mein kleiner Finger nicht wirklich ein Teil meines Körpers war. Die acht Jahre Akkordeonunterricht waren auch keine Basis für fundierte Notenkenntnisse. - Dabei war ich doch sooo schnell gewesen...
Aber mein Ehrgeiz wurde dadurch angestachelt! Üben hieß die Devise! Also nicht nur den Bass im Proberaum umhängen, um die anwesenden Mädels zu beeindrucken, sondern im stillen Kämmerlein - ganz allein.
Das habe ich getan - zu Beginn etwas unkontrolliert, aber auf jeden Fall regelmäßig. Das Plektrum landete im Mülleimer und der Wechselschlag wurde zu meiner Lebensaufgabe erkoren. Ich habe Rhythmikblätter geklatscht, dass meine Eltern um Gnade winselten. Die neu gewonnenen Möglichkeiten, die der Einsatz des kleinen Fingers an der Greifhand boten, verzückten mich. Langsam und mit viel Arbeit bekam ich die Fehler, die ich mir zwei Jahre lang aus Bequemlichkeit antrainiert hatte, in den Griff. Und dann ging es tatsächlich mit Riesenschritten voran - es hat auf einmal richtig Spaß gemacht - und das ist bis heute so geblieben!!! Selbstverständlich habe ich damals auch nach dem Workshop weiterhin Unterricht genommen.

Natürlich gibt es Leute, die nehmen einen Bass in die Hand und machen gleich alles richtig. Aber ich habe noch keinen in meinem Unterricht sitzen gehabt. Vielmehr ist die Regel, dass die Schüler mit Ihren “Altlasten” ankommen und erwarten, dass sie zwei Stunden später ausgebildete Profimusiker sind. Umso länger sie alleine rumgewurstelt haben, desto mühsamer ist die “Abbauarbeit”. Wird dann auch noch unregelmäßig geübt und die Anweisungen als “esoterischer Quatsch” missverstanden, ist der große Frust vorprogrammiert.

Da für das Bassspiel gewisse anatomische Voraussetzungen gegeben sein sollten (Finger), beginnen die meisten in einem Alter, wo Unterrichtnehmen völlig uncool ist. Ich habe das Vergnügen einige “Uncoole” unterrichten zu dürfen: die sind, bzw. werden mal richtig gut...

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